Gesundheit · Meine Erfahrung
Migräne verstehen: Was ich gelernt habe, als sie fast jeden Tag da war
Warum ein Migräne-Anfall keine Charakterschwäche ist, und was es verändern kann, die Signale des eigenen Körpers als Information zu lesen.
Von Janine · 11. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 15 Minuten
Ich war erschöpft.
Nicht müde im Sinne von „ich brauche mal ein langes Wochenende“. Sondern erschöpft von etwas, das sich nicht mehr wie eine Ausnahme anfühlte. Bei mir zeigte sich die Migräne in einer Phase, in der sie an mehr als 20 Tagen im Monat da war. Zwanzig. Das bedeutet: Gute Tage waren die Ausnahme, und ich habe sie irgendwann kaum noch geglaubt.
Wenn du das hier liest, kennst du vielleicht diese Rechnung. Du schaust in den Kalender und zählst nicht mehr, was du vorhast, sondern wie viele Tage du „überstehen“ musst. Du fragst dich, ob das noch normal ist. Ob andere das auch haben. Ob du dich anstellst. Ob da irgendwann noch ein Leben neben dem Schmerz Platz hat.
Ich schreibe diesen Artikel, weil ich mir damals genau so einen Text gewünscht hätte: ehrlich, ohne Heilsversprechen, ohne „Mit diesem einen Trick…“. Ich bin keine Ärztin. Ich kann dir nur erzählen, was bei mir passiert ist, und daneben stellen, was die Medizin über Migräne weiß, sauber getrennt voneinander. Wo meine Erfahrung endet und das belegte Wissen beginnt, kennzeichne ich es.
Der rote Faden dieses Artikels ist eine einzige Einsicht, die mir geholfen hat und die ich dir ehrlich weitergeben möchte: Die Migräne war nicht mein Gegner, den ich mit Willenskraft besiegen musste. Sie war ein lautes Signal, und ich hatte nie gelernt, es zu lesen. Das ist keine Heilungsgeschichte. Aber es war der Perspektivwechsel, mit dem ich überhaupt erst anfangen konnte, etwas zu verändern.
Und ja: Ich weiß, wie sehr dich dieser Gedanke vielleicht ärgert, wenn du gerade mitten in einer Attacke steckst. „Hör auf deinen Körper“ klingt dann wie ein Satz aus dem Kalenderspruch-Regal. Ich verspreche dir, dass ich ihn hier konkreter machen werde.
Der Moment, in dem ich anfing, mitzuschreiben
Es gab keinen Blitz, keine plötzliche Erkenntnis unter der Dusche. Mein Wendepunkt war leiser: Ich begann zu begreifen, dass ich meine Migräne eigentlich nicht kannte. Ich kannte den Schmerz, aber nicht das, was davor passierte. Nicht die Tage, an denen sie sich anbahnte. Nicht das, was ich in den Stunden vorher getan, gegessen, gefühlt oder ausgelassen hatte.
Bei mir war der Wendepunkt, Auslöser erkennen zu wollen und dafür ein Migräne-Tagebuch zu führen. Das klingt banal, und ehrlich gesagt hatte ich es zuerst auch so abgetan. Ein Heft? Ein Kalender? Bei 20 Migränetagen im Monat? Aber genau darin lag der Punkt: Erst durch das Aufschreiben wurde aus „Es ist immer irgendwas“ ein Bild, das ich betrachten konnte.
Was ich bei mir im Einzelnen entdeckt habe, ist meine Geschichte und lässt sich nicht auf dich übertragen.
Was ich allerdings sagen kann: Das Tagebuch hat mir etwas Wichtiges zurückgegeben, nämlich das Gefühl, nicht mehr nur ausgeliefert zu sein. Es hat die Migräne nicht verschwinden lassen. Aber ich war plötzlich Beobachterin statt nur Betroffene.
Was die Fachwelt dazu sagt, will ich dir ehrlich einordnen: Ein Kopfschmerz- oder Migränetagebuch gehört in Deutschland zum Standard der ärztlichen Abklärung. Fachgesellschaften wie die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) stellen dafür eigene Kalender zur Verfügung. Das Tagebuch hilft, Häufigkeit, Dauer, Stärke und Medikamenteneinnahme sichtbar zu machen. Und das ist nicht nur für dich interessant, sondern vor allem für das Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. „Es ist oft schlimm“ ist schwer zu behandeln. „Ich hatte im letzten Monat 21 Kopfschmerztage und habe an 9 davon ein Akutmedikament genommen“ ist eine Grundlage.
– Janine, über ihre Erfahrung
Diesen Satz fasse ich nicht als Ratschlag für dich zusammen, sondern als das, was sich bei mir verschoben hat. Wer 20 Tage im Monat Schmerzen hat, hat verständlicherweise eine Beziehung zum eigenen Körper, die von Misstrauen geprägt ist. Er „verrät“ einen ja ständig. Mein Perspektivwechsel war, dieses Misstrauen nicht zu bekämpfen, sondern zu fragen: Was will mir dieses Signal eigentlich sagen?
Migräne: Was sie ist und was sie nicht ist
Ab hier wechsle ich von meiner Erfahrung zum belegten Wissen. Migräne ist keine „starke Kopfschmerzattacke“, sondern eine neurologische Erkrankung. Sie gehört zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen überhaupt. Schätzungen zufolge sind je nach Studie grob 10 bis 15 Prozent der Erwachsenen betroffen, Frauen deutlich häufiger als Männer, mit einem Gipfel im Alter zwischen etwa 30 und 50 Jahren. Also genau dann, wenn viele von uns ohnehin am meisten jonglieren.
Nach der internationalen Klassifikation (ICHD-3) ist eine Migräne-Attacke typischerweise gekennzeichnet durch:
- Kopfschmerz, der unbehandelt etwa 4 bis 72 Stunden anhält
- häufig einseitig, pulsierend oder pochend, mittlere bis starke Intensität
- Verschlechterung durch körperliche Aktivität (selbst Treppensteigen kann zu viel sein)
- Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit
Ein Teil der Betroffenen, grob jeder Fünfte bis Dritte, erlebt zusätzlich eine Aura: vorübergehende neurologische Symptome, etwa Flimmern oder Zickzacklinien im Gesichtsfeld, Kribbeln oder Sprachstörungen, die meist 5 bis 60 Minuten dauern. Wichtig: Wenn Symptome neu, ungewöhnlich oder sehr plötzlich auftreten, ist eine ärztliche Abklärung ein Muss. Das gilt auch, wenn du dir bei der Einordnung unsicher bist.
Auch wichtig, weil es so oft falsch verstanden wird: Eine Migräne-Attacke hat nicht nur die „Schmerzphase“. Viele durchlaufen vier Phasen: die Vorbotenphase (Prodrom) mit Heißhunger, Gähnen, Nackenverspannung oder Stimmungsschwankungen, ggf. die Aura, den eigentlichen Kopfschmerz und die Erholungsphase (Postdrom), in der man sich oft wie „durch den Wolf gedreht“ fühlt. Genau diese Phasen sind der Grund, warum ein Tagebuch so aufschlussreich sein kann: Manches, was wir als „Auslöser“ wahrnehmen, ist unter Umständen schon ein Frühsymptom der Attacke. Der Heißhunger auf Schokolade kam vielleicht nicht, weil du Schokolade gegessen hast, sondern ist Teil des Vorboten-Stadiums. Hier ist die Forschung ehrlich gesagt noch nicht in allen Fragen eindeutig, und das sollte man wissen, bevor man sich selbst Vorwürfe macht.
Das bringt mich zu einem Irrtum, der mich lange belastet hat: Migräne ist keine Folge von Schwäche, Überempfindlichkeit oder zu wenig Disziplin. Nach aktuellem Verständnis liegt eine veränderte Reizverarbeitung im Gehirn zugrunde, an der unter anderem das Trigeminus-System und Botenstoffe wie CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) beteiligt sind. Das ist auch der Hintergrund moderner Therapien, auf die ich gleich komme.
Worauf es bei Migräne wirklich ankommt
Wenn ich heute einer Frau, die gerade am Anfang steht, drei Dinge mitgeben dürfte, wären es diese. Das ist kein medizinischer Rat, sondern meine Zusammenfassung dessen, was ich gelernt habe, jeweils mit dem Stand der Fachwelt daneben.
1. Wann man von chronisch Migräne spricht
Bei mir waren es 20+ Tage im Monat. Medizinisch ist chronisch Migräne definiert als Kopfschmerz an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate, wobei an mindestens 8 dieser Tage Migränemerkmale vorliegen. Das ist ein ganz anderes Bild als die „klassische“ episodische Migräne mit wenigen Attacken im Monat. Betroffen ist nur ein kleiner Teil der Migränepatientinnen (grob 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung, je nach Quelle). Wenn du dich hier wiederfindest, ist das ein Grund, ärztlich abklären zu lassen, nicht, dich zu schämen. Für diese Form gibt es eigene Behandlungsansätze, über die du mit einer Neurologin oder einem Neurologen sprechen kannst, in Deutschland oft in einer spezialisierten Kopfschmerzambulanz.
2. Chronisch Migräne und der Teufelskreis der Akutmedikation
Ein Punkt, über den ich damals zu wenig wusste: Wer an vielen Tagen Schmerzmittel nimmt, riskiert einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz. Laut Klassifikation und den Empfehlungen der deutschen Fachgesellschaften besteht dieses Risiko bei Triptanen und Kombinationspräparaten ab etwa 10 Einnahmetagen pro Monat, bei einfachen Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol ab etwa 15 Einnahmetagen pro Monat. Das ist keine Schuldzuweisung. Wer 20 Tage Schmerzen hat, greift zu Medikamenten, das ist menschlich. Aber es ist ein Grund mehr, die Behandlung nicht allein mit sich selbst auszumachen, sondern mit ärztlicher Begleitung zu planen. Wenn du nicht sicher bist, wie oft du Akutmedikamente nimmst, zeigt dir genau das das Tagebuch.
3. Chronisch Migräne: Behandlung ist mehr als „Pille nehmen“
Die aktuelle S1-Leitlinie von DGN und DMKG sowie die Empfehlungen der Fachgesellschaften unterscheiden grob drei Säulen: die Akuttherapie (z. B. NSAR wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure, Triptane, begleitend Mittel gegen Übelkeit), die medikamentöse Prophylaxe (z. B. Betablocker wie Metoprolol oder Propranolol, Topiramat, Amitriptylin, Flunarizin, bei chronischer Migräne zusätzlich Botulinumtoxin A, sowie CGRP-Antikörper bzw. -Rezeptorantikörper) und die nicht-medikamentöse Behandlung, etwa regelmäßiger Ausdauersport, Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung, Biofeedback und verhaltenstherapeutische Verfahren. Welche Option für dich passt, hängt von Häufigkeit, Begleiterkrankungen, Verträglichkeit, Kinderwunsch und vielem mehr ab. Das kann und soll ein Text im Internet nicht entscheiden. Prüfe aktuelle Leitlinien-Fassungen bei der DMKG und der DGN, denn hier ändert sich der Stand regelmäßig.
Das Wichtigste in Kürze
✔ Migräne ist eine neurologische Erkrankung, keine Charakterschwäche.
✔ Ab 15 Kopfschmerztagen im Monat über 3 Monate sollte ärztlich geprüft werden, ob eine chronische Migräne vorliegt.
✔ Ein Tagebuch macht Muster sichtbar, ist aber kein Beweis für Ursachen. Nicht jeder Auslöser lässt sich finden.
✔ Häufige Einnahme von Akutmedikamenten kann selbst Kopfschmerzen verstärken. Sprich mit deiner Ärztin / deinem Arzt.
✔ Es gibt mehrere Behandlungssäulen. Du musst sie nicht allein sortieren.
Mein Vorgehen: Was ich konkret getan habe
Ich möchte dir kein „System“ verkaufen. Was folgt, ist schlicht die Reihenfolge, in der ich Dinge angegangen bin. Das ist mein Weg, nicht dein Rezept.
Ich habe angefangen, aufzuschreiben.
Ein Migräne-Tagebuch: wann Schmerz, wie stark, wie lange, was dabei genommen, was am Tag davor los war. Es ging nicht um Perfektion. Auch ein kurzer Eintrag zählt. Wichtig war mir der Blick auf das Bild über Wochen statt auf die einzelne Attacke.
Ich habe versucht, Auslöser zu erkennen, ohne mich dafür zu verurteilen.
Das war schwerer, als es klingt. Auslöser-Suche kann kippen: Plötzlich ist alles ein potenzielles Verbot, und der Alltag schrumpft. Bei mir war es hilfreich, Muster als Hinweise zu betrachten und nicht als Beweis, dass ich etwas „falsch gemacht“ habe.
Ich war fünf Wochen in der Reha.
Fünf Wochen, die mir Raum gaben, mich überhaupt einmal nur mit meiner Migräne zu beschäftigen, ohne dass der Alltag ständig dazwischenfunkte. Was eine Reha beinhaltet, unterscheidet sich je nach Klinik und Konzept. Ob und wie sie für dich infrage kommt, klärst du mit deiner Ärztin / deinem Arzt und deinem Kostenträger.
Ich habe gelernt, auf meinen Körper zu hören und seine Signale zu verstehen.
Das war der eigentliche Kern. Früher habe ich Signale wie Anspannung, Erschöpfung oder ein „komisches“ Gefühl so lange ignoriert, bis der Schmerz sie unüberhörbar gemacht hat. Heute versuche ich, früher hinzuhören. Das macht die Migräne nicht weg. Aber es hat verändert, wie ich mit ihr umgehe: weniger Kampf, mehr Aufmerksamkeit.
Was ich nicht behaupten möchte: dass diese vier Schritte bei dir dasselbe bewirken würden. Migräne ist individuell. Die Reha, das Tagebuch und das Hinhören waren für mich Bausteine, keine Wunderkur.
Migräne und Nahrungsergänzung: Ein Wort zur Einordnung
Ich will hier ehrlich bleiben: Ein Nahrungsergänzungsmittel ist keine Migränetherapie und kein Ersatz für ärztliche Behandlung. Es kann Teil einer bewussten Ernährung sein, mehr nicht. Wenn du dich für ein Präparat interessierst, bespreche das vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, vor allem bei Medikamenteneinnahme, Schwangerschaft oder Stillzeit.
Dafür gilt in der EU: Es dürfen nur Aussagen verwendet werden, die behördlich zugelassen sind (Health-Claims-Verordnung). Beispiele für zugelassene Aussagen sind: Magnesium trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel und zur normalen Funktion des Nervensystems bei sowie Vitamin B2 (Riboflavin) trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Ermüdung bei. Aussagen darüber, dass ein Produkt Migräne verringert, lindert oder vorbeugt, gehören ausdrücklich nicht dazu, und ich werde sie deshalb nicht treffen.
Mein Verlauf: Was sich verändert hat und was nicht
Das ist der Abschnitt, den man in solchen Artikeln am häufigsten beschönigt. Ich möchte das nicht tun.
Eines kann ich unabhängig von Zahlen sagen: Der Perspektivwechsel von „Ich muss gewinnen“ zu „Ich muss verstehen“ hat bei mir etwas verändert, auch wenn ich damit nicht behaupte, dass die Migräne dadurch verschwunden wäre. Wenn du dir nach dem Lesen etwas mitnehmen willst, dann nicht meinen Weg, sondern die Frage dahinter: Was weiß ich eigentlich über meine eigene Migräne?
Pro & Contra: Mein ehrlicher Blick
Bezogen auf das Tagebuch, das Hinhören und das Nahrungsergänzungsmittel aus diesem Artikel, jeweils aus meiner Sicht:
Pro
✔ Das Tagebuch ist kostenlos und flexibel
✔ Es verbessert das Arztgespräch, weil Fakten statt Gefühle auf dem Tisch liegen
✔ Es gibt das Gefühl zurück, handeln zu können
✔ Nahrungsergänzung: leicht in den Alltag integrierbar (nach ärztlicher Rücksprache)
Contra
✘ Das Tagebuch kostet Zeit und Disziplin, gerade in schlechten Phasen
✘ Nicht jeder Auslöser lässt sich finden; die Suche kann belasten
✘ Eine Reha ist nicht für jede zugänglich und ersetzt keine laufende Behandlung
✘ Nahrungsergänzung ist keine Therapie und kann Geld kosten, ohne dass sich etwas verändert
Wenn du magst, fang mit dem Kleinsten an: ein Heft oder ein Kalender, ein Kreuz pro Kopfschmerztag. Mehr braucht es für den ersten Schritt nicht. Alles Weitere besprichst du am besten mit jemandem, der dich medizinisch begleiten kann.
Häufige Fragen zu Migräne
Ist es normal, an so vielen Tagen im Monat Kopfschmerzen zu haben?
Häufig ist nicht dasselbe wie „normal im Sinne von harmlos“. Gelegentliche Kopfschmerzen gehören zum Leben vieler Menschen, aber wer an mehr als 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen hat, sollte das ärztlich abklären lassen. Bei mir waren es 20 und mehr Tage, und ich habe viel zu lange gewartet. Wichtig ist: Du musst dich nicht rechtfertigen, wenn du Hilfe suchst. Ein Tagebuch hilft dir, Zahlen zu nennen. Neue, sehr plötzliche oder ungewöhnliche Beschwerden (zum Beispiel ein „Donnerschlag“-Kopfschmerz, Lähmungen, Sprachstörungen oder Fieber mit Nackensteife) gehören sofort in ärztliche Hände oder in den Notruf. Dein Bauchgefühl darf hier mitreden. Für die genaue Abklärung ist eine Neurologin, ein Neurologe oder eine Kopfschmerzambulanz die richtige Adresse.
Was bedeutet chronisch Migräne genau?
Von chronisch Migräne spricht man, wenn Kopfschmerzen an mindestens 15 Tagen im Monat über mehr als drei Monate bestehen und an mindestens 8 dieser Tage die Schmerzen Migränemerkmale haben oder auf ein Migränemedikament ansprechen. Das ist eine medizinische Definition, kein Urteil über dich. Bei vielen entwickelt sich die chronische Form über Jahre aus einer episodischen Migräne, mögliche Einflussfaktoren sind unter anderem häufiger Akutmedikamentengebrauch, Schlafstörungen, Übergewicht oder Depressionen. Das bedeutet nicht, dass etwas „deine Schuld“ ist. Die Diagnose stellt ausschließlich ärztliches Fachpersonal. Es gibt für chronisch Migräne eigene Behandlungsoptionen. Du musst sie nicht allein recherchieren, aber du darfst gezielt danach fragen.
Wie führt man ein Migräne-Tagebuch?
Im Kern reichen wenige Angaben pro Tag: Gab es Kopfschmerzen? Wie stark (z. B. Skala 0 bis 10)? Wie lange? Gab es Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit oder eine Aura? Welche Medikamente hast du in welcher Dosis genommen? Bei Frauen kann zusätzlich der Zyklus relevant sein. Dazu kommen Stichworte zum Tag: Schlaf, Stress, Mahlzeiten, Wetter. Die DMKG bietet einen Kopfschmerzkalender an, der auch als App-Version existiert. Bei mir war entscheidend, nicht perfekt zu sein, sondern dranzubleiben. Ein einfacher Eintrag ist besser als gar keiner. Nimm das Tagebuch zum Termin mit, es verändert das Gespräch.
Kann ich meine Auslöser sicher herausfinden?
Nicht immer, und das ist wichtig zu wissen. Häufig genannte Auslöser sind Stress und Stressabfall, unregelmäßiger Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, Wetterwechsel, Alkohol, hormonelle Schwankungen oder starke Reize. Die Studienlage ist aber uneinheitlich, und einzelne „Auslöser“ können auch schon zur Vorbotenphase gehören. Deshalb sollte ein Muster eher als Hinweis gelten denn als Beweis. Viele Betroffene meiden zu viel und verlieren dadurch Lebensqualität. Fachleute raten häufig eher zu Regelmäßigkeit in Schlaf, Mahlzeiten und Bewegung. Bei mir war das Tagebuch hilfreich, um Muster zu erkennen. Ich möchte aber nicht den Eindruck erwecken, dass sich damit jede Migräne „aufklären“ lässt.
Was kann ich bei chronisch Migräne selbst tun und was nicht?
Selbst tun kannst du viel Begleitendes: ein Tagebuch führen, regelmäßig schlafen und essen, ausreichend trinken, moderaten Ausdauersport aufbauen, Entspannungsverfahren lernen (z. B. progressive Muskelrelaxation) und Termine zur Abklärung wahrnehmen. Diese nicht-medikamentösen Maßnahmen werden von den Fachgesellschaften als sinnvolle Ergänzung empfohlen. Nicht allein lösen solltest du die Frage nach Prophylaxe-Medikamenten, den Umgang mit häufiger Akutmedikation und die Abklärung neuer Symptome. Bei chronisch Migräne gibt es spezialisierte Behandlungen, über die dich Neurologinnen und Neurologen beraten. Bei mir war die Reha ein Baustein. Ob das für dich passt, ist eine individuelle Entscheidung.
Helfen Nahrungsergänzungsmittel gegen Migräne?
Diese Frage kann ich nicht seriös mit „Ja“ beantworten, und ich möchte es auch nicht. Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneimittel, und Aussagen, sie könnten Migräne lindern oder ihr vorbeugen, sind für sie in der EU nicht zugelassen. Zugelassen sind nur eng gefasste Aussagen zu einzelnen Nährstoffen, zum Beispiel zu Magnesium und dem normalen Energiestoffwechsel. Wie sich einzelne Substanzen im Zusammenhang mit Migräne verhalten, ist wissenschaftlich unterschiedlich gut untersucht. Wenn dich das Thema interessiert, bespreche es mit deiner Ärztin / deinem Arzt, vor allem wenn du Medikamente nimmst oder schwanger bist. Und erwarte bitte keine Wunder von einer Kapsel.
Dieser Artikel beschreibt persönliche Erfahrungen und ersetzt keine ärztliche Beratung oder Diagnose. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung oder eine ärztliche Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wende dich bitte an deine Ärztin oder deinen Arzt.






